"Wer dem Vogel ein stucke abschosse,

der sollte könig seyn das gantze Jahr"



Historische Schützenbruderschaften,

-gilden und -vereine

in Deutschland und Europa

 

Unter den vielen Vereinen und Vereinigungen, die es in Deutschland gibt - es sind deren sicher einige Zehntausend - nehmen die Schützen einen vorrangigen Platz ein. Nicht nur das äußere Erscheinen, die Betätigung im Schießsport, sondern viele andere Aktivitäten lassen sie mehr sein, als "nur Bürgervereine" im guten Sinne. Über teils viele Jahrhunderte haben sie bereits Bestand und der heutige Mitgliederstand zeigt (trotz unterschiedlich örtlicher Entwicklung), daß sie mit ihren alten Idealen auch in unserer Zeit noch eine Marktlücke ausfüllen und kaum an Aktualität eingebüßt haben.

Einen detaillierten Einblick in die Schützengeschichte zu geben ist kaum möglich, da es nicht den Punkt gibt, an dem alles begann. Doch kann man zur Geschichte grundsätzlich folgendes ausführen. Die Entstehung von Schützenvereinigungen stützt sich auf zwei Punkte:

  • Schützen im Dienste des Landesherrn,
  • Schützenbruderschaften und -vereine als Vereinigungen in der Kirche.

Von Kaiser Karl (um 800 in Aachen) ist bekannt daß er Schützen anwarb, um das Christentum zu verbreiten und zu sichern. Ob er allerdings auch als der Begründer der Carls-Schützengilde Aachen anzusehen ist und diese Vereinigung sich auf ihn stützen kann, ist geschichtlich nicht erwiesen. Die erste urkundliche Erwähnung der Carlsschützen Aachen stammt aus dem Jahre 1148. Andere Herrscher, Kaiser, Könige und die residierenden Erzbischöfe (in Personalunion als Kirchenfürst und gleichzeitiger Landesherr) verfuhrenebenso und führten Feldzüge, Kreuzzüge und verteidigten ihren Besitz. Zum Schützendienst war jeder verpflichtet "den Dienst mit der Waffe auf den Wällen und dem Felde" zu leisten. Die Selbstverteidigung war eingeschlossen, um "Straßenschindern, Freibeutern und sonstigen Personen, die seyn zu Pferd oder zu Fuß, in Büschen, Herbergen, Scheunen, Ställen und uff dem Felde aufzupassen und das Handwerk zu legen".

Neben den bereits bestehenden Schützengesellschaften entwickelte sich gegen Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine aus Flandern kommende Bewegung, die zur Gründung von kirchlichen Bruderschaften führte. Wallfahrtsbruderschaften, Gebetsbruderschaften, Armenspeisungsbruderschaften, Krankenpflegebruderschaften, Pestbruderschaften oder Bruderschaften vom guten Tod, sowie Brandbruderschaften stellten sich die Aufgabe, ihre Mitglieder zu einem wirklich christlichen Leben zu erziehen und anzuhalten, danach zu leben und sich ferner zu einer geselligen Zusammenkunft zu vereinigen. Sie forderten von ihren Mitgliedern Gebetsübungen, Almosengeben, Dienst an den Armen und Kranken, Opfern und Spenden für den Gottesdienst, Sorge für den kranken Menschen, Sorge fürdas christliche Begräbnis und überhaupt, Werke christlicher Nächstenliebe.

Aus Visitationsprotokollen der kirchlichen Aufsicht wissen wir, daß die Mitglieder dieser Bruderschaften ihre Aufgaben sehr ernst nahmen. Die brüderliche Solidargemeinschaft, die aus der Verpflichtung "zum Leben aus dem Evangelium" abgeleitet wurde, zeigte sich in vielfacher Weise. Berichte über Armenspeisungen, Bruderschaftsessen, Hilfe in Not und Gefahr, Pflege der Kranken und Beerdigung der Toten (vor allem in Zeiten der furchtbaren Epidemien) finden wiederholt Erwähnungen in alten Bruderschaftsbüchern und Protokollen.

Renaissance Im 19. und 20. Jahrhundert

 

Um die zweite Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden verstärkt Bruderschaften wieder- oder neu begründet. in einem Aufbruch nationaler Begeisterung tun sich Studenten, Sänger, Turner und - mit einigem Zögern - Schützen zusammen, um die Idee der "neuen Demokratie" (Paulskirche 1848) zu fördern und zu stützen. Über die Freude neu erworbener Freiheitsrechte hinaus wird der Gedanke des sich "gegenseitig beistehen und schutzgeben" eingeflossen sein, denn im Zuge der beginnenden Industrialisierung wurden alte Normen des Zusammenlebens außer Kraft gesetzt.

Die Schützenbruderschaften erfreuen sich gerade in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. Wo die Ursache dafür liegt, müßte noch ergründet werden. Sicher wird die Vereinsamung von Menschen dabei eine Rolle spielen, denn Bruderschaften, die sich im übrigen nach dem 2. Weltkrieg verstärkt zur Ökumene hin geöffnet haben, bieten auch heute noch "ungezwungene gesellige Zusammenkunft".

Schießsport

 

Durch den Schießsport wird vor allem das Interesse der Jugend geweckt. Diese Sportart - die von manchen Zeitgenossen als militärische und kriegerische Sportart nicht gern gesehen wird - stellt an den Sportler höchste menschliche und körperliche Ansprüche.Mit dem Schießsport wird Geist- und Körperbeherrschung vermittelt, sowie die Eigenverantwortung gefördert. Bei Schützenfesten und Schützenkirmessen werden Menschen - auch Nichtschützen, Ausländer und Neubürger - ungezwungen integriert und aus ihrer möglichenIsolation herausgeholt. Menschen werden wieder zu Menschen geführt. Allein diese Tatsache - die unbestritten ist - kennzeichnet wesentliche soziale Komponenten der Schützenbruderschaften und rechtfertigt ihren Bestand in unserer Zeit.

Die Historischen Schützenbruderschaften haben sich unter den Leitsatz gestellt "für Glaube, Sitte und Heimat" einzustehen. Unter dieser Aussage versuchen die Mitglieder der Schützenbruderschaften die Tradition in die Jetztzeit hineinzutragen. Glaube soll aussagen, daß der Auftrag der Schützen aus der Umsetzung des Evangeliums herrührt und im weitesten Sinne Gottesdienst ist. Sitte beinhaltet den Sinn, daß Schützendienst Menschendienst sein muß. Heimat sagt aus, daß Schützendienst ein Auftrag zum Friedensdienst ist.